Das feine Gespür – MDWD Detecon International Köln

Detecon Mindfulness Deep Work Day (MDWD)

Hier ein neues Format der Detecon International in Köln
Interessantes Setting: Arbeiten in Stille. Dazwischen ein paar kurze Meditationseinheiten.

Eine Gruppe interner und eine Handvoll externer Teilnehmer/innen erlebt die Wirkung dieser ungewöhnlichen Rahmenbedingungen vor Ort zum ersten Mal.
Die Initiatoren: Mike Kaiser (Managing Consultant), Aleksander Shamaluev und Marc Wagner (Managing Partner) samt Team.

 

Mindfulness im Business – wozu?

Vielen ist der Begriff der Achtsamkeit bzw. Mindfulness inzwischen über den Weg gelaufen, spätestens seitdem dieses Thema die Frontcover der gängigsten Zeitschriften geziert hat. Mit diesem Hinweis beginnt auch der kleine Vortrag zu Beginn der Zusammenkunft.

Keine Studie kann in Worten nahe bringen, wie die Wirkung an einem selbst tatsächlich ausfällt. Nichts geht also über das eigene Erleben. Man muss es am eigenen Leib und Kopf spüren, da hilft keine noch so eindrucksvolle Statistik.

Dennoch sind es gerade die steigenden Raten von Burnout, Depression und Krankmeldungen, die davon zeugen, dass den Menschen im üblichen druckvollen und hoch getakteten Arbeitsmodus die Gesundheit, oft sogar die Arbeitsstelle verloren geht. Nicht nur für sie selbst ein kapitaler Verlust, ebenso für jedes Unternehmen und mit erheblichen Folgen für unser Gesundheitssystem.

Ich bin als eine der Externen auch eingeladen, dieses neue Format mit einer Gruppe der hiesigen MitarbeiterInnen des Hauses zusammen zu erleben.

Die kurze, lebendige Powerpoint-Einführung von Aleksander Shamaluev  in die Thematik findet im vorbereiteten Halbkreis statt und wird abwechslungsreich durch Zitate, Anekdoten und harte wissenschaftliche Fakten vermittelt.

 

Die Wirkung

Es heißt, der positive Effekt der Achtsamkeit schlage sich sowohl förderlich auf die Gesundheit als auch auf das Arbeiten selbst nieder. Ohne esoterisch anmutende Verzierungen geht es um rein körperlich nachweisbare Veränderungen. Es lassen sich wachsende Leistungsfähigkeit, Konzentration, Energieerhalt, Empathie, Zufriedenheit und Kreativität ablesen. Arbeitsgänge würden mit weniger Fehlern, mehr Effizienz und Freude am Tun durchgeführt. Die Ausgewogenheit im Abruf beider Gehirnhälften erzeuge eine längere Ausdauer und somit mehr Resilienz, Begeisterung und Gelassenheit. Es klingt, als könne eine fruchtbare Kooperation dadurch besser gelingen und Leadership damit gestärkt und neu ausgerichtet werden.
Ob das stimmt? Wir werden heute den Versuch an uns selbst einmal wagen.

Die Haltung unter den Teilnehmenden ist offen bis kritisch, wobei die Neugier stark überwiegt. Der Ablauf und die Regeln werden vermittelt und dann geht es auch schon los.

Der Vormittag wird in Arbeitsphasen und meditative Einheiten unterteilt. Alles soll in Stille geschehen, auch der Gang zur Toilette. Das Mittagessen werde in Stille serviert und zu sich genommen. Am Ende folge die Reflektionsrunde. Während dessen sei es erwünscht, Handy als auch Social Media Plattformen, abzuschalten.

Den Einstieg in die erste Arbeitsphase bildet eine erste kleine Meditationseinheit von Mike Kaiser noch im Halbkreis. Anschließend stehen wir auf und gehen in Stille an unseren jeweiligen Arbeitsplatz, den wir vorher  im offen gestalteten Raum ausgesucht haben. Arbeitstische, Flipcharts, Karten und Pinnwände stehen dazu zur Verfügung.

 

Wie verändert sich das Arbeiten?

Die Stille wirkt anfangs noch etwas befremdlich. Nach einer Weile tut sie jedoch unsagbar wohl, denn das eigene Tun wird weder gestört noch unterbrochen. Da alle Anderen ebenfalls in Stille arbeiten, mutet es gegenüber den Übrigen nicht merkwürdig an, sondern eher verbindend. Auch das tut wohl. Nach kurzer Zeit sammelt sich die Konzentration ganz auf das eigene Arbeiten.

Mir persönlich ist das gnadenlose Ausschalten von Telefon, Türklingel, Handy und  Social Media während ich an meinen Projekten oder Texten arbeite sehr vertraut. Ich bemerke jedoch, dass mir das gemeinsame in Stille arbeiten, wie schon beim Mindful Coworking Day des Netzwerks „Achtsame Wirtschaft“, ein zusätzliches angenehmes und auch fokussiertes Gefühl schenkt. Mir scheint, es ist das Spüren der situativen Gemeinschaft, das mich auf gewisse Art stärkt.

Jeder ist mit seiner Aufgabe beschäftigt. Wenn die Gedanken dennoch einmal hängen, dann mag mein Blick schon mal über den Raum gleiten. Einmal fängt er einen Eindruck ein, wie jemand gerade in bunter Schrift ein Mindmap auf der Flipchart erstellt. Das Bunte kickt mich in dem Moment an und mir kommt ein passender Impuls zu meinem Thema in den Sinn und schreibe weiter. Es tut auch gut, für einen Impulswechsel mal still ans Fenster zu treten oder zum Getränke-Buffet gehen zu können und sich wohltuend  zu versorgen(übrigens heute mal ganz ohne Kaffee, dafür mit Kannen voll sehr geschmackvollen Teesorten bzw. Wasser). Es herrscht ein sanftes Einvernehmen, Bewegen und Wahrnehmen im gesamten Raum und untereinander.

Nach einer gewissen Arbeitsphase ruft ein Gong zu einem Arbeits-Stop und wir versammeln uns still wieder im Halbkreis. Es folgt eine kleine Mediationseinheit. Anschließend werden wir wieder zurück an unseren Platz entlassen. Die Meditation hat mich aus dem Sog der Arbeit gezogen und mich mit meinem Gewahrsein kurzweilig wieder auf mich, meinen Körper und meine Sinne gelenkt. Mir wird  zurück an meinem Arbeitsplatz die Arbeit nun nochmal frisch als das bewusst, für das ich heute hier und jetzt mein Bestes gebe und damit gerade mein Leben gestalte und erlebe. Lebendigkeit und auch Dankbarkeit tauchen auf. Es hebt die Stimmung.

Die Zeit verfliegt im Nu und mehr als vermutet ist geschafft. Schon geht es in die Mittagspause. In Stille. Langsam bildet sich eine Warteschlange vor dem duftenden Buffet (vegetarisches Essen indischer Art mit köstlich duftenden Gewürzen). In Ruhe werden Teller und Besteck genommen und mit dem Essen ein Sitz- oder Stehplatz gewählt. Die Pause ist zeitlich gemessen nicht anders als gewöhnlich und doch wirkt sie viel intensiver. Am Ende der Mittagspause sammeln wir uns alle wieder im Halbkreis. Zum ersten Mal seit heute früh wird wieder gesprochen. Reflektionsrunde. Man spürt noch die nachhallende Wirkung der Stille und Ruhe. Es dauert einen Moment, bis der Redefluss sich einstellt.

 

Austausch –  wie war es?

Die Rückmeldungen fallen insgesamt sehr positiv aus:

Manche spürten, dass sie letztlich nach getaner Arbeit mehr Kraft und Frische innehatten als sonst und andere empfanden die Meditation als wohltuenden Wechsel zum konzentrierten Denken, auch wenn sie sich zu Anfang von der Stille und den Meditationseinheiten wie „aus ihrer Fahrt gerissen“ fühlten und einen Moment brauchten, um sich danach jeweils wieder in den gewohnten Arbeitsmodus hinein zu fädeln.

Fast alle empfanden es wie eine Entlastung bzw. Befreiung, sich ohne all die üblichen Ablenkungen ganz auf das besinnen zu können, was gerade in dieser Phase anstand. Obwohl das ungestörte Arbeiten zunächst ungewohnt war, so war es letztlich extrem förderlich. Der Verlust der digitalen Nabelschnur durch das Ausschalten des Handys hatte bei manchen anfangs für leise Zuckungen gesorgt. Viele Arbeitsprozesse machen durchaus das Handy geradezu unerlässlich, doch es wird sehr deutlich, wieviel eigenen Einfluss man selbst auf eine vermeintliche Dringlichkeit ausüben kann. So weckt das Erleben heute in vielen den Wunsch, sich zwischendurch immer wieder einmal solche ablenkungsbefreiten Arbeitsphasen erlauben zu können.

Das in Stille Arbeiten hatte auch zur Folge, dass auftauchende, zu klärende Aspekte als essenzartig formulierte Fragestellungen festgehalten wurden, ohne, wie sonst üblich, sofort das Gespräch mit langen Erläuterungen zeitaufwändig zu suchen. Überdies sind viele erstaunt darüber, wie schnell sie mit ihrem angepeilten Arbeitsvolumen vorzeitig fertig waren und noch weitere Aufgaben hatten angehen können. Effizienz ist deutlich erlebbar.

Der Eindruck eines stärkeren Miteinanders hat bei vielen ein angenehmes Gefühl von Zugehörigkeit und Gemeinschaft hervor gerufen, was wiederum ganz individuell eine gewisse, wohltuende Kraft auslöste. Abgesehen davon wird zum Schluss noch darüber gestaunt, dass von allen das benutzte Geschirr ganz sorgfältig zurück gestellt worden ist, statt wie sonst, wild und beiläufig einfach irgendwo zurück gelassen.

Selbst das Essen war ganz sinnlich wahrgenommen worden, während sonst nicht einmal wirklich bemerkt wird, was oder wie viel auf dem Teller liegt, aufgrund der dabei geführten Gespräche oder fortlaufenden Geschäftigkeit. Die Folge: Die übliche matte Müdigkeit nach dem Essen blieb heute bei fast allen aus.

Auffallend war für viele, wie sie zuerst die gewohnten Umstände, Abläufe und Optionen vermissten und wie eine Ablehnung gegen das ungewohnte Setting in ihnen aufkeimte (siehe u.a.  der fehlende, heißgeliebte Kaffee, der Plausch zwischendurch, das schnelle Rücksprache halten, das Unterhalten beim Essen etc.). Doch nach kurzer Zeit verflog all das aufgrund der ungeahnten, angenehmen Auswirkungen.

 

Resümee der heutigen Runde

Das Ungewohnte hat einen wohltuenden Effekt ausgelöst in mehrerlei Hinsicht. Gerne möchten die Teilnehmenden es fortführen, weiter damit experimentieren. Die erlebte Wirkung auf Geist und Körper wird gerade für druckvolle „heiße“ Phasen als ein Segen erachtet, um gut in der eigenen Klarheit und Kraft zu bleiben.

Es tauchen Ideen und auch Zweifel auf, wie sie es in ihrer Abteilung umsetzen sollen. Man befürchtet sicherlich sehr befremdlich, vielleicht sogar verständnislos beäugt zu werden, bis hin zur Sorge, sich lächerlich damit zu machen.

Manche Externe berichten, es gäbe in vielen Unternehmen Anstrengungen, sich ein innovatives und fortschrittliches Image zu geben. Es würden so genannte Ruhe- oder Stille-Räume eingerichtet, die jedoch von niemandem genutzt würden. Die Gründe sind vielschichtig. Man fürchtet von Anderen falsch gesehen zu werden (nach dem Motto „Der hat wohl nichts zu tun.“ oder „Wie ist die denn drauf?“), bis hin zu der Unsicherheit einfach nicht zu wissen, wie man diesen Raum tatsächlich wirklich nutzen könnte. Es fehle die passende Anleitung bzw. Einführung in die entsprechende Kultur und Handhabung.

 

Fazit

Immer mehr Unternehmen fallen in eine Beschleunigung, sprich:
Immer mehr Projekte zur gleichen Zeit, Projekte in größerem Umfang, Projekte, die niemals enden. Der Druck wird immer höher. Durchaus ist auf kurze Strecken ein hohes produktives Tempo angemessen, es darf allerdings kein Dauerzustand werden, wie es immer mehr der Fall ist. Dieser Druck ist der meist genannte Grund in meinen Coachings für die Unzufriedenheit am Arbeitsplatz oder gar Ausstieg aus dem Job.

Genau an diesem Punkt ist Achtsamkeit bzw. Mindfulness eine unschätzbare Unterstützung darin, den Druck förderlich auszugleichen. Denn Achtsamkeit nährt nicht nur die eigene körperliche Kraft und innere Stärke, sondern dadurch auch das eigene Leistungsvermögen zugleich. Es ist der Rettungsanker nicht nur, aber gerade in turbulenten Phasen. Natürlich wirkt die Achtsamkeit auch auf die inneren Werte, die innere Haltung und sorgt für eine Klarheit, die möglicherweise zu inspirierenden Schritten und Entscheidungen einer „achtsamen Wirtschaft“ führen kann.

Der Wunsch unter den Teilnehmenden wird deutlich: Man möchte damit weiter experimentieren und die angenehme Wirkung vermehren. Hier entsteht eine Kultur, die der fruchtbare Boden für eine derart gelungene Potentialentfaltung bietet, von der man in der Podiumsdiskussion in Berlin beim Vision Summit träumt. Es wird klar, man wird niemanden dazu überreden oder darüber berichtend überzeugen können, sondern es gilt, die Eigenerfahrung zu machen. Wer dabei die Frische, Effizienz, Freude, Ausdauer und vor allem die massive Wirkung des Gemeinschaftsgefühls erlebt hat, der wird quasi davon infiziert werden.

Dann lasst uns einander anstecken im besten Sinne!

Weiter viel Erfolg damit, Detecon! Danke für das schöne Vorbild!

Detecon:

Kontakt: mindfulness@detecon.com

Video des MDWD@detecon: