Das Gespür für mein Talent – Visionskompass

Zu dem Thema „Vision“ gibt es schon so viele Reden und Hymnen, dass man geneigt sein könnte zu sagen: och, nicht das schon wieder.
Das haben wir doch nun x-mal gehört und verstanden.

Und hier liegt die Krux.

Wir haben es möglicherweise verstanden, aber meist LEBEN wir es nicht.

Wer hat nicht schon in Sessions zu Corporate Identity, Mission Statement oder Leitbild eine Vision entwickelt?
Und jetzt die spannende, alles entscheidende Frage: Wer hat die Vision dabei gespürt? Wirklich gespürt?

Spüren. Es klingt schlicht, aber es ist offenbar fern von einfach.

Wenn Menschen eine Vision nicht mit allen Fasern und aus vollem Herzen spüren, hat sie kaum bis keine Ladung, keine Anziehung oder Schub. Doch genau das macht eine Vision erst zur Vision. Das ist ihre Natur und Wirkung: sie setzt wie von selbst die volle Energie und den Mut in Menschen frei, die es dafür braucht, diesen Weg zu meistern. Dann folgen Menschen freiwillig dem Visionär und das mit vollem Einsatz in einer begeisterten Kooperation.

Ja, zugegeben, das oft verwendete Beispiel über die Mitwirkenden an einem Kathedralenbau ist abgenutzt. Und doch hat der Unterschied von jenen, die einer Vision folgend dort ihren Einsatz geben (wir bringen den Menschen den Himmel nahe) zu jenen, die einfach nur ihre Stunden abreißen (ich baue hier eine Mauer) noch immer große Aktualität.

 

Eine Vision ist kein Ziel

Mir fiel in vielen Gesprächen immer wieder auf, wenn Menschen nach ihrer Vision gefragt werden, mit einem Ziel antworten. Es kommen Aussagen wie: „Wir wollen die beste Forschungsabteilung werden, das ist unsere Vision.“ oder „Ich will mit meiner Arbeit marktführend werden und die Konkurrenz übertrumpfen, das ist meine Vision.“ oder „Mein Produkt soll Bestseller werden.“

Das ist keine Vision. Das mag die Nebenwirkung einer Vision werden, aber es ist keine Vision.
Es ist ein Ziel, ein Ergebnis, keine Vision.

Eine Vision zeigt klar die Richtung, wohin es gehen soll, aber noch nicht wie. Sie klingt oftmals wie ein Traumbild oder Ideal, das möglicherweise irrealistisch anmutet. Sie mag sogar verrückt erscheinen, gemessen daran, was zu jenem Zeitpunkt vorherrscht oder zur Verfügung steht. Sie mag sogar nie erreicht werden, aber sie wird mit voller Inbrunst für möglich gehalten, egal wie nah oder weit man sich davon befindet oder hingelangen wird. Sie ist der Nordstern. DAS ist eine Vision.

Mehrfach zitierte und altbekannte Beispiele dafür sind Martin Luther King (I have a dream) oder Steve Jobs (the people who are crazy enough to think they can change the world, are the ones who do).

Nun ist es so, dass nicht jeder eine Vision hat und auch nicht jeder eine haben muss. Doch wer einen Visionär in seiner Menschlichkeit, Passion und Unbeirrbarkeit spürt und dessen Begeisterung teilt, der fühlt sich dazu gerufen, mit ihm diesen Weg bestmöglich einzuschlagen. Dieser Ruf und seine Zugehörigkeit zu der geteilten Vision lösen wie von selbst den freiwilligen vollen Einsatz aus.

Dieses hohe Engagement wird dann nicht einmal mehr zwingend für den Visionär erbracht, sondern für den empfundenen Sinn in der geteilten Vision und aus Begeisterung für das eigene Tun dabei. Michael Murray, der damalige Marketingchef von „apple“, sagte es einmal so:„Ich mache das hier nicht für Steve Jobs. Ich mache das, weil ich glaube, dass dahinter ein größerer Nutzen steckt und dass ich damit wirklich etwas zur Verbesserung des Allgemeinwohls beitrage.“ (Jonas Grundler, Businessinsider, Deutschland)

 

Das Wofür

Benennbare sowie erkennbare Kriterien halten Menschen für sinnvoller im Vergleich zu schwammig dargelegten Szenarien. Das ist menschlich. Es sind aber eben jene diffusen, oft symbolträchtigen „Wofürs“, die den satten Nährboden ausmachen, auf dem kleinste Samen zum großen Gedeihen gelangen.

Bei einem großen Erfolg wird nachträglich immer wieder erkennbar, dass jede Aktion eines jedweden Beteiligten, egal an welcher Position, für das Gesamtgefüge bedeutungsvoll war. Wenn das „Wofür“ des Unternehmens fehlt und wenn das eigene persönliche „Wofür“ ebenso fehlt, dann stärkt es nur eines: das schlichte Arbeiten nach Vorschrift oder nach Boni oder nach Auszeichnungen. Es erstickt jedoch die von Natur aus mächtigste Kraft im Keim: die bereit liegende Motivation, freudig über den notwendigsten Einsatz hinauszugehen oder über die bisherige Verantwortung hinauszuwachsen.

 

Verlust der besten Kraft

Heutzutage wählt die Mehrheit der Manager eine kurzfristige Gewinnmaximierung, statt einer kraftvollen Vision mit langfristigen Gewinnen als Nebenerscheinung. In solch einem Arbeitsambiente arbeitet dann ein Mitarbeiter für etwas oder jemanden, wo die Zahlen oder Kurven wichtiger sind als alles andere. Der Mitarbeiter fällt also unter das alles andere, erntet Gunst oder Missfallen seiner Vorgesetzten. Es herrscht eine Kultur der Bewertung und des Vergleichens. Die Möglichkeiten zu verfehlen oder beliebig ausgetauscht zu werden sind groß. Hier geht es um das Prinzip der Konkurrenz, nicht um Kooperation oder kollektive Intelligenz in gemeinsamer Begeisterung.

Das Beste an seinen Mitarbeitern/innen geht unter diesen Bedingungen auf Dauer am Arbeitgeber vorbei. Oft hält ein gewisser Druck die abverlangte Leistung noch für eine gewisse Zeit lang aufrecht, aber niemals erfährt das Unternehmen volle Wucht und Glanz, der in den Mitarbeitern/innen schlummert. Der leider ungesunde Nebeneffekt in solch einer Arbeitskultur ist es, dass die meisten der dort tätigen Menschen, ob Führungskraft oder Mitarbeiter/in, ihr Leben in Berufsleben und Privatleben trennen. Und genau das widerspricht der menschlichen Natur.

 

Die Trennung von privat und beruflich

Wer sich am Arbeitsplatz künstlich „nicht-menschlich“ zu machen versucht, verlebt den größten Teil seiner Lebenszeit, statt sie zu leben. Das nimmt Lebenskraft.

Fälschlicherweise wird an dieser Stelle eine solche Trennung auch „Professionalität“genannt. Man möchte die kompetente Souveränität einer fachlichen Sachlichkeit gegenüber einer unsachgemäß emotionalen Verwicklung unterstreichen. Diese Trennung hat einen Haken.

Durchaus:
Ein Mensch sollte selbstverantwortlich und angemessen seine eigenen Befindlichkeiten aufräumen, bevor er sich auf das Arbeitskollegium loslässt. Aber ich spreche hier nicht von Befindlichkeiten, ich spreche von menschlichen Bedürfnissen. Bedürfnisse nach Empathie, Zusammengehörigkeit, Vertrauen, Sicherheit und gemeinsamer Freude gehören zur Natur des Menschen. Sie lassen sich nicht über einen langen Zeitraum einfach unterdrücken. Diese Untrdrückung ist nicht sinnvoll, noch förderlich, wie André Stern es auch immer wieder unterstreicht. Er selbst hat die Phänomene der Welt, die ihn neugierig anzogen, bis zur Perfektion begeistert gelernt, weil er als Mensch darin aufgeht. Weil er als Mensch von anderen Menschen lernte und lernt. Ja, es sind Gefühle, die einen zur Bestleistung führen.

Das macht einen Menschen neben seiner fachlichen Kompetenz  zu einem anziehenden Visionär: seine Menschlichkeit.
Er vermag in seinen Mitarbeiter/innen Glanzleistungen auszulösen. Durch Begeisterung. Sein Geist steckt im besten Sinne an. Dazu gehören Vision und Verantwortlichkeit genauso wie Autorität und feines Gespür. Natürliches Gedeihen hat immer mit einer gesunden Balance zu tun. Also einer Ausgewogenheit zwischen der antreibenden, ehrgeizigen Ego-Seite und der hingebungsvollen, integeren Herz-Seite. Ja, es geht auch um CS (corporate soul).

 

Was bedeutet Vision nun für junge Menschen?

Die junge Generation, der die Träume regelrecht gehören sollten, hat kaum eine Vision mehr. Das ist erschreckend.

Es ist, als würden die Ansätze von Visionen in den vorherrschenden Konditionierungen quasi verdampfen. Junge Menschen, sei es in Schule oder Studium, zeigen bereits hier die Auswirkungen des Bildungssystems, in welchem sie sich die meiste Zeit des Tages über bewegen. Starre Zielvorgaben und einseitige Wissensüberprüfungen sorgen für dasselbe Ersticken der Lebendigkeit wie bei erwachsenen Menschen im beruflichen Kontext.

Es kommen viele Eltern zu mir, die ratlos darüber sind, wie sie ihre Kinder mit der wachsenden Schulverweigerung derart unterstützen können, dass ihre natürlich angelegte Neugier und gesunde Selbstführung wiederkehren. Es kommen immer mehr Studienabbrecher in die Beratung, die für sich wahren Sinn und Richtung finden wollen. Es kommen immer mehr junge engagierte Berufstätige, die bereits jetzt erschöpft sind und dringend nach einem Kurswechsel suchen. Auch beim Augenhöhe-Barcamp zum Thema Bildung wurde dieses Phänomen sehr deutlich.

Wer einen Menschen glockenartig in seiner Leistungsablieferung bemisst und unmessbare menschliche Eigenschaften dabei aus der Beurteilung nimmt, der erzeugt das Gegenteil dessen, was sich das Arbeitsumfeld an Soft Skills und gestärkter Persönlichkeit ausdrücklich wünscht.

Alles hat seine Richtigkeit und Funktion, nur sollte es in der rechten Reihenfolge und im rechten Maß geschehen: Leistung soll Kriterien haben, erkannt werden zu können. Einsatz soll Kriterien haben, wertgeschätzt werden zu können. Auf das „Wie“ kommt es genauso an wie auf das „Was“.

Doch der Treiber all dieser Kriterien ist dieses: Wofür?

Erst wer weiß, was ihn zieht (Ruf) und wohin (Nordstern) und vor allem warum und wofür (Vision), der kann sich ganz und konkret einbringen (Ziele). Es ist die Reihenfolge der Dinge, die ihre Schubkraft ausmacht und ihr Zusammenspiel, das ein Gedeihen ausmacht.

 

Der „Visionskompass“

„Ausnahmeerscheinungen (im Business) haben keine ‚fünf geheimen Erfolgsmethoden‘. Sie besitzen keine Checklisten – sondern einen inneren Kompass. Eine Lebensphilosophie.“ (Dirk Elsner auf Blick Log – Wirtschaft, Finanzen u.m.)

Mit dem Format des Visionskompass möchte ich meinen Beitrag dafür geben, jungen Menschen das Gespür für sich selbst erlebbar zu machen, so dass sie ihr Wesen, ihre Talente und ihren inneren Ruf deutlich wahrnehmen, benennen und gehen können.

Wer sich ausrichtet mit dem, was die Natur und das Leben ihm in die Wiege gelegt haben, der in Begeisterung und freiwilligem Fleiß seinem Ruf folgt, sich darin verfeinert und kompetent wird, in Rücksicht auf sein Wohl und das der Anderen, der geht seinen besten Weg. Auch wenn es in der heutigen Zeit auf den ersten Blick schwierig zu sein scheint, hierfür seinen rechten Platz auf dem Markt zu finden. Es gibt ihn.

Hierzu nutzen wir den Kompass, der sich jeweils auf den individuellen Nordstern ausrichtet und passende Mentoren und Begleiterinnen zu finden hilft. Also dann:

„We are diamonds taking shape!” (Lyrics von Coldplay)

Repräsentatives Video zum Visionskompass: